Suche
Suche Menü

UN-Klimaverhandlungen in Osnabrück

Im Rahmen der Klimawoche haben wir einen Workshop veranstaltet, auf dem die UN-Klimaverhandlungen in Osnabrück in einem Rollenspiel erfahren wurden. Schon beim Betreten des Raums gab es Verwirrungen: Sollten hier nicht die UN Klimaverhandlungen simuliert werden? Warum gibt es dann so wenig Tische und Stühle? Und warum stehen nicht auf allen Tischen gleich viele Kekse und Getränke? Und wozu gibt es hinten so viel Platz auf dem Boden? 

Teilnehmende während des Workshops zu Simulation der UN-Klimaverhandlungen
Workshop zur Simulation der UN-Klimaverhandlungen am 24. September 2019

Im ersten Teil der Simulation wurden die Anwesenden über die verschiedenen Folgen (Erhöhung des Meeresspiegels, ansteigende Häufigkeit von Wetterextremen, Artensterben etc.) des Klimawandels aufgeklärt. Was geschieht bei einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur von 1,5°C, was bei einer Erhöhung von 2 bis 3°C oder gar bei 4°C? Nachdem nun alle auf den aktuellsten Forschungsstand gebracht wurden, begannen die Klimaverhandlungen. 

Die Rahmenbedingungen

Doch mussten zuerst die Rahmenbedingungen festgelegt werden. Die Teilnehmenden wurden in sechs Gruppen eingeteilt: USA, Indien, China, EU, andere Industriestaaten und Entwicklungsländer. Dabei mussten sich die Länder an die Tische setzen, die ihren vorhandenen Reichtum widerspiegeln. Die USA und EU als reiche und wirtschaftsstarke Länder setzten sich an die Tische mit den meisten Keksen, während die Entwicklungsländer abgeschlagen auf dem Boden Platz nehmen mussten. Je nach Anteil an der Weltbevölkerung gab es mehr oder weniger Vertreter*innen der Ländergruppen. Hier blieben USA, EU und China auf eine Person beschränkt, während die Entwicklungsländer gleich mehrere Vertreter*innen besaßen. Nun wurden eigene Klimaziele bis 2100, nach tatsächlichen Prioritäten und Ansichten der Länder(gruppen) entwickelt. Das Ergebnis: Der Klimasimulator gibt an, dass sich mit den ausgehandelten Zielen bis 2100 eine Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur um 2,5°C ergeben würde. Das Ziel des Pariser Klimaschutzabkommen von einem Anstieg auf 1,5°C ist damit weit verfehlt. 

Die Verhandlungen beginnen

Wie bei den echten UN Klimaverhandlungen begann nun das Verhandeln der Staaten untereinander. Hier wurden Kompromisse geschlossen, ambitionierte Ziele vertieft oder versucht, die eigene Verantwortung (je nach Positionspapier) an die anderen abzugeben. Das endgültige Ergebnis dieser Verhandlungen reduzierte die bisherigen 2,5°C  auf 2,2°C. Das Ziel von Paris wurde weit verfehlt. Fazit der Teilnehmer*innen: Es ist erstaunlich, wie schnell sich in die Rolle eines Staates oder Staatengruppen begeben wird. Obwohl nur eine Rolle gespielt wird, fühlt man sich schnell angegriffen, geht in die Defensive oder greift selbst andere an. Nach den Verhandlungen glaubten alle Teilnehmenden, mit ihrem Ergebnis einen Temperaturanstieg von unter 2°C erreicht zu haben. Weit verfehlt. Klimaverhandlungen sind trotz des Wissens um die Folgen und die Notwendigkeit des Handelns schwer. Und das selbst im Rahmen einer Simulation.

Quelle für die Simulation und den Klimawandelsimulator C-ROADS: https://www.bne-bw.de/schule/projekte/world-climate.html

Mehr Information zum Thema

Wer nicht auf dem Workshop war, aber mehr über die Ergebnisse der echten Klimaverhandlungen und die aktuellen wissenschaftlichen Grundlagen erfahren möchte, kann dies auf folgenden Vorträgen im Rahmen unserer Vortragsreihe „Klimawandel – Klimaschutz“ tun:

Autor:

Physik, Universität Osnabrück